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 Titelthema 



Die ersten Releases kommen im Sommer

Abgeltungsteueranwendung

 

Die Rechenzentren spielen bei der Umsetzung der Abgeltungsteuer eine zentrale Rolle. Alle Aufgaben, die mit der Steuer auf die Banken zukommen – von der Berechnung bis zur Abführung an das Finanzamt – sollen ab dem Einführungsstichtag von der Banken-IT ausgeführt werden. 

 

Für die IT ist es eine komplexe Herausforderung: Im Idealfall soll die komplette Berechnung der Abgeltungsteuer der privaten Kapitalanleger über die Banken-IT abgewickelt werden. Das Neue an der Abgeltungsteuer ist, dass die korrekte Berechnung der Steuerschuld in den Händen der Kreditinstitute liegt – und nicht wie bisher nur die Berechnung eines Abschlags, der hinterher vom Finanzamt überprüft wird. Veranlagungen im Rahmen der Steuererklärung wie bislang üblich sollen – nach dem Willen des Gesetzgebers – künftig Ausnahmefälle werden. Steuerexperten bezweifeln allerdings, dass das so funktionieren wird.

 

Der Großteil der Vorbereitungen für die Einführung der Abgeltungsteuer fällt dabei in den Rechenzentren an. Die FinanzIT übernimmt neben der Sparkassen Informatik ab dem 1. Januar 2009 die zentrale Aufgabe, die Abgeltungsteuer für die Institute der Sparkassen-Finanzgruppe zu berechnen. Die Vorbereitungen für die Bereitstellung der IT-Anwendungen laufen schon seit Frühjahr 2007. „Wir sind sehr gut im Zeitplan“, berichtet Matthias Scheelen, bei der Finanz-IT für Entwicklung & Integration Kundensysteme zuständig. „Die fachliche Konzeption ist nahezu fertig, jetzt geht es an die Entwicklung der Anwendungen: Erweiterung der Datenbanken, Bereitstellung von Schnittstellen, Entwicklung des Berechnungsprogramms, Design von Benutzeroberflächen.“
Die Aufgaben der neuen Abgeltungsteueranwendung sind sehr komplex:

 

  • Berechnung der Kapitalertragsteuer, des Solidaritätszuschlags und gegebenenfalls der Kirchensteuer für die Geschäftsvorfälle aus den Bereichen Giro, Spar, Darlehen,Kreditkarte, Fremdwährung, Wertpapier und Börsentermingeschäft.
  • Dabei Berücksichtigung von Sparerpauschbetrag, Verlusttöpfe für verschiedene Anlageformen, Nichtveranlagungs-Bescheinigungen.
  • Führung von zentralen Verlusttöpfen für alle internen und externen Liefersysteme (dwpbank, TxB, Haspa, Nord/IT, HSH-Nordbank, Helaba, Kreditkartenprovider).
  • Erstellung von Steuer- und Verlustbescheinigungen für die Steuererklärungen der Kunden.

 

Die Entwicklung der Anwendung, die die gesetzlichen Anforderungen der Abgeltungsteuer abwickeln soll, kann in Teilen auf ihren Vorgängern aufbauen. Die mit Einführung der Jahresbescheinigung im Jahr 2004 entwickelten Grundlagen, wie die Anbindung an Provider, die Bereitstellung einer zentralen Erträgedatenbank und die Entwicklung von Schichtenmodellen, wurden bereits mit der Einführung der Zinsinformationsverordnung 2005 und der Erträgnisaufstellung 2007 fortgeführt.

 

Die neue Abgeltungsteueranwendung baut in Teilen darauf auf. Andere Komponenten, wie etwa die Lösungen für Verlustbescheinigungen und die Kirchen- und Quellensteuer, sind neu zu schaffen. Auch werden alle betroffenen Bereiche über eine neue Schnittstelle angebunden. Außerdem gilt es, die zentrale Erträge-Datenbank zu erweitern – etwa für die Konfessionsdaten. Für die Steuerberechnung wird eine Verarbeitungslogik entwickelt. Damit können die Steuern zur Abführung an die Finanzbehörden zusammengestellt und die Steuer- und Verlustbescheinigungen vorgehalten werden. Den Nutzern der Abgeltungsteueranwendung in den Instituten stellt die FinanzIT einen Benutzerdialog unter Himalaya zur Verfügung.

 

Mit von der Partie bei der Entwicklung der Abgeltungsteueranwendung sind neben den Fachleuten der FinanzIT Experten aus Instituten und den Sparkassenverbänden. Das Fachteam des Projekts hat seine Tätigkeit auf der Basis des inzwischen erarbeiteten Fachkonzepts aufgenommen und arbeitet an den noch offenen Themen. Denn noch sind Detailfragen strittig und mit Hilfe der Verbände und des Zentralen Kreditausschusses in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Finanzen zu klären.

 

Eingeführt wird die neue Abgeltungsteueranwendung in mehreren Releases bis Mitte 2009. Geplant ist, mit der Implementierung der Kirchensteueranwendung im Sommer zu beginnen, damit die Institute die Konfession im Auftrag ihrer Kunden bearbeiten können. Das Release mit den Kernfunktionalitäten folgt im November 2008, um die Abgeltungsteuer pünktlich ab dem 1. Januar 2009 berücksichtigen zu können. Erschwerend kommt allerdings hinzu, dass zwar die Vorgaben der Steuer im Allgemeinen feststehen, das Jahressteuergesetz 2009 jedoch voraussichtlich Änderungen bringen wird. „Deshalb müssen wir bis zum Spätherbst, wenn das Jahressteuergesetz 2009 verabschiedet wird, mit kurzfristigen Anpassungen rechnen“, erklärt Scheelen. So kann es bis Frühjahr 2009 dauern, bis das letzte Release implementiert werden kann.

 

 

  • Matthias Scheelen, in der FinanzIT zuständig für Entwicklung & Integration Kundensysteme, rechnet noch mit kurzfristigen Anpassungen der Abgeltungsteueranwendung.

    matthias.scheelen(at)finanzit.com
     
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Letzte Aktualisierung: 04.03.2008